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Jan Cermak 2014-10-24T19:56:47+00:00

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Jan’s SWISSMAN Story

[/heading][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width=“1/1″][vc_column_text]Im Gegensatz zur Premiere vor einem Jahr mit 50 Startenden, standen dieses Jahr 239 abenteuerlustige Teilnehmende aus aller Welt am Start. Ich war im Vorfeld etwas skeptisch, ob das sympathische, unkomplizierte Konzept des OKs auch mit so vielen Teilnehmern aufgehen würde. Am Freitag reiste ich mit meinem Vater bereits ins Tessin zum Athletenbriefing. Danach hiess es ausruhen und nochmals Kohlenhydrate tanken. Leider war das Nachtessen in unserem Hotelrestaurant alles andere als gelungen. Es schien, dass der Koch zum ersten Mal in der Küche stand. Jedenfalls koche ich besser Pasta als er…

Am Samstag war sehr früh Tagwache angesagt, mussten wir doch schon um 4.15 Uhr bereit stehen um einzuschiffen. Die Szene am Quai von Ascona hatte etwas Surreales: 239 Swissman-Teilnehmende in Neopren Anzügen stehen herum und dazwischen begeben sich die letzten Nachtschwärmer auf den Heimweg. Als das Schiff in Richtung Brissago Inseln ablegt, ist die Spannung und der Respekt vor der bevorstehenden Herausforderung richtig gehend greifbar.

Es ist ein wunderschöner Morgen, der Mond steht am Himmel und es kündigt sich ein warmer, sonniger Tag an. Ich bin bereit und freue mich sehr auf diese Challenge. Obwohl beim SWISSMAN weder Zeit noch Rangierung eine Rolle spielen, möchte ich 30 Minuten schneller im Ziel sein als letztes Jahr. Punkt fünf erklingt die Kuhglocke, das Startsignal zur 3.8 km langen Schwimmstrecke. Der See ist angenehm warm und ich schwimme locker dem Lido in Ascona entgegen. Gegen Ende der Strecke kommt etwas Wind auf, der fiese Wellen von links produziert. Dennoch bin ich nach 1 Std. schon in der Wechselzone.

Auf der 180 km langen Rennvelostrecke habe ich mir viel vorgenommen. Meine Form sollte stimmen, so dass ich hoffentlich über Gotthard, Furka und Grimsel richtig Tempo fahren kann. Auf der coupierten Strecke durch die Dörfer der Magadino Ebene und zu Beginn der Leventina überhole ich sehr viele Athleten. Nach Biasca werden die vor mir liegenden Teilnehmer spärlicher, ein gutes Zeichen! Nach 2 Std. habe ich bereits über 63 km hinter mir, doch 10 km vor Airolo, merke ich, dass ich wohl etwas gar schnell gestartet bin. Meine Beine fühlen sich bereits jetzt leer an und das ist noch vor den 3 Pässen gar kein gutes Zeichen. Ich kämpfe auch mit Bauchschmerzen, verursacht durch eines der Getränke, das im Training immer gut verträglich war. Sobald ich dieses nicht mehr zu mir nehme gehts wieder besser. Am Gotthard bin ich gezwungen ein langsameres Tempo als geplant anzuschlagen. Ich verpflege mich regelmässig und arbeite mich kontinuierlich aus dem Tief heraus. Es klappt und je höher ich steige, desto besser drehen die Beine wieder, trotz des anstrengenden Kopfsteinpflasters der Tremola. Auf der Passhöhe ist es dieses Jahr angenehm warm. Ich bin überzeugt, dass ich mich im Aufstieg nun erholt habe und stürze mich entsprechen optimistisch in die tolle Abfahrt. Rasch bin ich in Realp und nehme den Furka in Angriff. Die Beine drehen nun ganz ok.

Das schöne Wetter hat aber nicht nur Vorteile: es hat sehr viel Verkehr und ich sehe schon früh zur Passhöhe hoch, die links oben liegt. Das wäre ja alles halb so wild, wenn nicht auch der Wind noch von links blasen würde und wir somit fast den gesamten Aufstieg im giftigen Gegenwind zurück legen müssen. Meine Vorstellung mit Tempo den Berg hoch zu fahren, bleibt nur ein Wunschtraum… Zum Schluss wartet noch der Grimselpass, der aber ab Gletsch nur noch wie ein Hügel anmutet. Ich fahre möglichst kräfteschonend, angesichts der noch bevorstehenden Laufstrecke. Auf der Grimsel setze ich mich beim Supporterauto hin und nehme mir Zeit zum essen. Die lange Abfahrt geniesse ich, denke aber schon an die Laufstrecke. Bin mir nicht sicher, was noch in meinem Körper steckt. Wir werden sehen… Der Gegenwind von Meiringen nach Brienz kann mir nichts mehr anhaben und ich komme 30 Minuten früher als letztes Jahr in Brienz an. Ich bin also trotz bereits einigen Tiefs auf der Velostrecke immer noch bestens im Fahrplan.

Zu Beginn der 42 km langen Laufstrecke von Brienz via Grindelwald auf die Kleine Scheidegg fühle ich mich erstaunlich gut. Die leeren Beine sind weg und ich kann eine zügige Pace anschlagen, die aber dennoch locker ist. Der Gedanke an meine Familie, die mich im Ziel erwarten wird, setzt Emotionen frei. Ich muss mir einreden, mich auf die unmittelbare Gegenwart zu konzentrieren, denn der Weg ins Ziel ist noch lang. Bereits bei Km 8 kommt mein Laufbegleiter dazu. Von nun an habe ich mentale Unterstützung und er wird auch meine Bidons und Nahrung in seinem Rucksack mittragen. Diese Unterstützung ist Gold wert! Wir laufen flott und überholen einige vor mir liegende Athleten. In Bönigen, bei Km 14, wo ich letztes Jahr eine schwere Krise hatte, fühle ich mich viel fitter und nehme vom Supportauto nochmals salzige Nahrung zu mir. Das tut mir gut, denn die süsse Nahrung kann ich nicht mehr sehen! Leider verpassen wir unser Supportauto beim nächsten Treffpunkt. Ich habe mich auf weitere salzhaltige Nahrung eingestellt, die mir nun fehlt. Rückblickend hätte ich mich zwingen müssen, die süsse Nahrung zu essen, statt auf einen weiteren Treffpunkt mit dem Supportwagen zu spekulieren. Meine Laufleistung nimmt nämlich nun spürbar ab und als wir endlich bei Km 22 wieder die Gelegenheit haben, das Supportauto zu treffen, ist es schon fast zu spät.

Ich fühle mich ausgelaugt und der Gedanke an die noch bevorstehenden Anstiege lässt meine Zuversicht nicht besser werden. Dass nun 3 Athleten zu mir aufschliessen ist ebenso wenig förderlich wie die Krampferscheinungen, die ich bereits in den Beinen spüre. In der Steigung nach Burglauenen ist nun marschieren angesagt und von Burglauenen nach Grindelwald gehts dann wieder im langsamen Lauftempo weiter. In Grindelwald bin ich aber so etwas von leer, dass ich nicht mehr weiss, wie ich mit eigener Muskelkraft die Kleine Scheidegg erreichen soll. Beim Supportauto sitze ich in einen Stuhl und als ich wieder aufstehe, wird mir kurz schwindlig. Im Augenwinkel sehe ich die parkierte Ambulanz und denke nur: Konzentriere dich und mach einen Bogen um die Sanitäter, nicht dass sie dich noch rausnehmen.

Für den Schlussaufstieg muss auch ich ein Rucksäckchen mit vorgeschriebenem Material wie warmer Kleidung und genügend Nahrung auf mir tragen. Der Einstieg ist brutal steil. Hier wird natürlich gewandert, aber schon das tut weh. Ich habe ungewohnte Krämpfe im Rist-/Schienbeinbereich, was sich vor allem in den ganz steilen Passagen wenig vorteilhaft auswirkt. Das Wort aufgeben schwirrt durch meinen Kopf. Sobald ich aber daran denke, dass meine Familie oben im Ziel wartet, verwerde ich diese Gedanken sofort wieder. Mein Betreuer muss mir gut zureden und versucht mich zu motivieren, indem er mir aufzeigt, wie unsere Strategie bis ins Ziel nun aussieht: Wandern, erholen, genügend Nahrung und Flüssigkeit und dann wirds kühler je weiter nach oben wir kommen.

Nun achte ich wieder darauf, in regelmässigen Abständen zu essen. Es braucht zwar jedes Mal Überwindung, die süsse Masse in den Mund zu drücken, aber meine Energiespeicher füllen sich wieder und in den flacheren Streckenteilen können wir nun wieder ein gemächliches Lauftempo anschlagen. Das bringt uns aber immer noch rascher vorwärts als der Wander-Stil. Um nicht völlig demoralisiert zu werden, darf ich gar nicht an letztes Jahr denken, wo ich noch im Stande war, sehr viel des Schlussaufstiegs zu laufen. Ich versuche mich, mit der imposanten Landschaft abzulenken, denn die Abendstimmung direkt unterhalb von Eiger, Mönch und Jungfrau ist einzigartig. 2 Km vor dem Ziel ruft mein Betreuer meine Frau an, um meine Zielankunft anzukündigen. Da unser Sohn akute Bauchschmerzen hatte, ist sie aber gar nicht angereist. Ungläubig frage ich meinen Betreuer, ob das nur ein Witz sei. Er bestätigt mir aber, dass es wirklich so ist. Zum Glück erfahre ich das erst hier, denn in Grindelwald hätte ich in diesem Fall ernsthaft mit dem Gedanken gespielt aufzuhören.

Um 18.46 Uhr ist es soweit und ich erhalte den Lohn für meine durchlittenen Strapazen: Nach 13:46 Std., 5’800 Höhenmetern und 225 km laufe ich auf der Kleinen Scheidegg zum 2. Mal als SWISSMAN-Finisher ein. Zwar nicht 30 Minuten schneller als letztes Jahr aber jetzt nach vollbrachter Leistung spielt das auch keine Rolle mehr. Es reicht zum 19. Rang im Männerfeld.

Es war ein unglaublich harter Wettkampf mit ungewöhnlich vielen Höhen und Tiefen, nicht nur topografisch. Ich erlebte ein Wechselbad der Gefühle, wie schon lange nicht mehr! Ein ganz herzliches Dankeschön gebührt meinen Betreuern, die mir das Erreichen der Ziellinie erst ermöglicht haben, meiner Familie, die im Vorfeld oft auf mich verzichten musste und dem gesamten OK für die hervorragende Organisation und die familiäre und persönliche Atmosphäre!

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Jan Cermak[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width=“1/1″][social_buttons facebook=“true“ twitter=“true“][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width=“1/1″][fancy-ul icon_type=“font_icon“ icon=“icon-backward“ color=“Accent-Color“ enable_animation=“true“]

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